Schauriger November

von Gisela Seekamp

Dieser Novemberabend zeigte sich von seiner schaurigsten Seite. Nebel hatte alles eingehüllt und die Konturen des Waldes verwischt. Es war feucht und kalt.

Lautlos strich ein Waldkauz durch die Zweige und ließ sich auf seinem Ansitz nieder. Die Nebelschwaden, die an ihm vorbeizogen, konnten ihm nichts anhaben. Er hatte sein Gefieder gut gepflegt. Und nach der Mauser war es wieder schön dicht und hüllte ihn warm ein. Seit zwei Tagen rief er vergeblich nach seinem Weibchen. Sie hatten sich nach der Jungenaufzucht erst einmal getrennt. Doch die Wintermonate wollte er wieder mit ihm verbringen. Nun hatte er Hunger. Die Versorgung der Jungen hatte aus ihm einen wendigen Jäger gemacht.

Jetzt in der späten Dämmerung wurden die Waldmäuse aktiv. Auf sie hatte er es abgesehen. Ein leises Piepsen verriet ihm Anwesenheit einer Maus. Er spähte in die Dunkelheit und wartete. Als es nochmals fiepte, wusste er genau wo sie war. Er setzte zu einem lautlosen Jagdflug an. Die Waldmaus ahnte nicht die Gefahr. Er stieß seine Krallen in ihre Flanken und hieb seinen Schnabel in ihren Nacken. Zurück auf seinem Ansitz wehrte sie sich schon nicht mehr. Bevor er den leblosen Körper kopfwärts in seinen Schnabel schob, walkte er ihn kräftig durch. Nicht ohne Stolz stieß er dabei einen lang gezogenen, heulenden Ruf aus.

Einen Kilometer entfernt fuhr Bernd in die erleuchtete Zufahrt seines Hauses. Als er aus dem Auto stieg, zog er prüfend die Luft ein. Der Winter würde nicht mehr lange auf sich warten lassen. Aus dem nahen, dunklen Wäldchen drang das lange schaurige "Huh-huhuhuh-huuuuuh" des Waldkauzes an sein Ohr. Unwillkürlich musste er an einen alten Edgar-Wallace-Film denken. Mord in einem Nebel umwallten, düsteren Schloss. Ein Schauer rieselte ihm den Nacken herunter. Er sah zum Haus hin.

'Ich könnte es mir doch am Kamin gemütlich machen und bei einem Glas Rotwein den Krimi lesen, den ich noch habe.' Er begann sich auf einen behaglichen Feierabend einzurichten.





Fix gemixt.

Diese Küchenmaschine begeisterte ihn sofort.

 Was sind schon eintausend Euro für ein Wunder der Technik?


Mittlerweile ließ er auch Evi daran.

  Jeden Abend durfte sie unter seiner Aufsicht

 gesunde Leckereien zubereiten.

 Es wurde Zeit, dass sein "Moppelchen" lernte,

 frisch und vegetarisch zu kochen.


Evi hasste diesen Kosenamen und die ständigen Bevormundungen.

Sie wollte nicht um jeden Euro bitten müssen.


Gleich würde er joggen gehen. Evi mixte ihm seinen Powerdrink.

 "Der verleiht Flügel, Schatz."

 Er trank den Smoothie, sprintete los.

Ihm wuchsen Flügel, er flog direkt in den Himmel.


 Evi arbeitet wieder in der Apotheke und liebt ihr Technikwunder.




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